aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums des Kreuzbund
Regionalverband e. V.
„Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute.“ (Römerbrief 12,21)
Jene kurze Regel für ein gelingendes Leben, die der Apostel Paulus seinerzeit der Gemeinde in Rom übermittelte, mag uns heutzutage, wo wir uns in einer immer komplexer werdenden Welt erleben, ein wenig schlicht anmuten. Denn es fällt viel zu leicht, sie auf den ersten Blick und spontan uneingeschränkt zu bejahen und – jeder für sich selbst – zu sagen: „Ja, darum bemühe ich mich; das ist mein alltägliches Bestreben!“
Allerdings: Was ist das Böse? Was ist das Gute? Was geschieht dann, wenn die Kriterien, die dem Handeln bislang Richtung gaben, angesichts bestimmter Situationen, Menschen, Gegebenheiten sich nicht mehr als eindeutig erweisen? Wenn das Gute unerreichbar scheint und das Böse – vielleicht als Mittel zum Zweck – gar nicht so unakzeptabel anmutet?
Das Böse – es ist nicht um uns herum, es ist kein äußerer Feind. Es ist vielmehr in uns selbst, wenn wir uns in einer solchen Lebenslage selbst aufgeben, nicht mehr mit uns um die Unterscheidung von Gut und Böse ringen, unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten – gerade auch diejenigen, die aus unserem Glauben heraus entspringen - nicht mehr aktivieren. Wenn wir uns fallen lassen in Selbstmitleid und Selbstbetrug, wenn wir unserer eigenen Entmenschlichung Raum geben, dann besiegt uns das Böse.
Sucht – worauf auch immer sie sich bezieht und wodurch auch immer sie ausgelöst sein mag – trägt das Merkmal einer verlorenen Schlacht gegen das Böse in uns selbst, weil sie uns und unser Leben „im Griff“ hat und nicht wir unser Leben selbst gestalten.
Entmenschlichende Sucht: Muss eine verlorene Schlacht gegen dieses Böse das Ende des Kampfes um ein gelingendes Leben darstellen?
Das Jubiläum, das der Kreuzbund mit seinem Regionalverband Hamburg e. V. in diesem Jahr begehen kann, belegt in eindrucksvoller Weise, dass es durchaus gelingen kann, durch das Gute den Kampf doch noch einmal zu wenden. Seit nunmehr 20 Jahren steht nämlich der Kreuzbund Regionalverband Hamburg e. V. als katholische Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und deren Angehörige dafür ein, dass der derjenige, der seine Kräfte mobilisiert und im Guten den Kampf gegen das Böse für sein eigenes Leben wieder aufnimmt, auf diesem Weg Halt und Unterstützung finden kann.
20 Jahre Kreuzbund Regionalverband Hamburg e. V.: Das markiert einerseits die individuellen „Siege“, die die Mitglieder auf ihrem persönlichen Lebensweg um ihres Menschseins Willen errungen haben. Sie haben ihre Sucht „in den Griff“ bekommen, sie haben sich ausgerichtet auf ein neues Leben, das nicht mehr so ist und sein kann wie vordem.
Das Jubiläum markiert andererseits den gemeinsamen Sieg all derjenigen, die sich in den Kreuzbund-Gruppen als Suchtkranke und deren Angehörige zusammengeschlossen haben, um einander aufgrund ähnlicher Erfahrung Stütze und Halt zu sein.
Und schlussendlich markiert das 20-jährige Jubiläum des Kreuzbund Regionalverband Hamburg e. V. auch den Sieg dieses Konzepts der katholischen Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft über all jene Tendenzen in unserer Gesellschaft – auch in unseren Kirchengemeinden -, die darauf ausgerichtet sind, die Problematiken von Sucht und Entmenschlichung aus der Gemeinschaft zu verdrängen und auszugliedern; das Jubiläum des Kreuzbundes ist ein „Trotzdem“ angesichts all der Schwierigkeiten, die sich auftun, wenn der einzelne und auch die Kreuzbund-Gruppen sich aufmachen, ihr neues Leben innerhalb ihrer Mitwelt zu leben und sich neu zu beheimaten.
Von ganzem Herzen gratuliere ich dem Kreuzbund Regionalverband Hamburg e. V. zu seinem 20-jährigen Bestehen. Ich wünsche der katholischen Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und deren Angehörige Gottes Segen für ihr weiteres Miteinander. Zugleich danke ich den Mitgliedern des Kreuzbund Regionalverband Hamburg e. V. dafür, dass sie die Feier ihres Jubiläums damit verbinden, ihre Gemeinschaft auf das Erzbistum Hamburg als Lebens- und Wirkensraum auszurichten.
Möge dieses Signal Widerhall und Unterstützung gerade in unseren katholischen Kirchengemeinden finden, damit die Hilfe zur Selbsthilfe, auf die hin die Arbeit des Kreuzbundes orientiert ist, sich überall dort verwirklichen kann, wo Menschen in ihrem Ringen um ein Gelingen des Lebens angesichts und trotz einer Suchtproblematik der Unterstützung aus der unserem Glauben heraus bedürfen.
„Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“
Dr. Thomas Willmann
Diözesancaritasdirektor Hamburg
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